„Sport darf in seiner Existenz nicht gefährdet werden“

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Handball Mödling Obmann „Conny“ Wilczynski im Interview über die Coronafolgen im Sport!
Corona betrifft natürlich auch die Welt des Sports. Aber was bedeutet etwa der Abbruch der Handball-Meisterschaft tatsächlich für Spielgemeinschaft Handball WESTWIEN und Handball Mödling? Conny Wilczynski ist geschäftsführender Manager bei WESTWIEN und Obmann bei Handball Mödling und damit perfekter erster Ansprechpartner für unsere Umfrage, wie der Sport im Bezirk Mödling unter den Folgen der Pandemie leidet.
Conny, was bedeutet der verordnete Lockdown für euch? Und zwar nicht nur für die Kampfmannschaften, sondern auch für den Nachwuchs – und generell alle Menschen, die von und mit SG Handball WESTWIEN leben?
Der Lockdown stellt für den gesamten Verein eine große Herausforderung dar. Das große Problem ist die Ungewissheit beziehungsweise die fehlende Planbarkeit. Nichtsdestotrotz muss man auch in solchen Phasen kreativ sein und versuchen, das Thema Handball hoch zu halten – bei Spielern, Partnern und Sponsoren und im gesamten Umfeld. Aufgrund von vielen verschiedenen Maßnahmen ist uns das auch ganz gut gelungen.
Habt ihr in den vergangenen Monaten eine Möglichkeit gefunden, ein Training für zu Hause anzubieten – und wie muss man sich das ungefähr vorstellen im Vergleich zu einem herkömmlichen Mannschaftstraining?
Während der Quarantäne-Zeit hat jeder Spieler einen individualisierten Trainingsplan bekommen – eine Kombination aus Laufen, Kraft, Beweglichkeit und Koordination. Nicht jeder Spieler hatte natürlich die gleichen Möglichkeiten, aber die Spieler haben die Pläne bestmöglich und konsequent umgesetzt.
In manchen Altersklassen im Nachwuchs haben unsere Trainer auch ein Video-Training angeboten beziehungsweise wurden Übungen per Video als Trainingsempfehlung verschickt. Unterm Strich konnten wir die Phase im athletischen Bereich ganz gut nutzen, aber mit echtem Handball hat das natürlich nichts zu tun.
Wie schwer ist der finanzielle Schaden jetzt schon und wie lange könnt ihr noch durchhalten? Welche Forderungen habt ihr, zum Beispiel an die Politik, um euch zu unterstützen?
Der finanzielle Schaden ist definitiv vorhanden. Dank der Unterstützung unserer treuen Partner konnten wir diese Saison aber noch irgendwie retten. Wir machen uns allerdings Sorgen, was die nächste Saison betrifft. Fehlende Einnahmen aus unseren Heimspielen und Sponsoren-Rückgänge aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Saison werden uns vermutlich in der kommenden Saison begleiten.
Unser Vorteil ist, dass wir mit einer rein österreichischen Mannschaft in die nächste Saison starten und somit keine teuren Legionäre finanzieren müssen. Der Fokus auf die Nachwuchsarbeit macht sich auch wirtschaftlich in dieser schwierigen Phase bezahlt.
Fakt ist aber, dass wir in zweierlei Hinsicht Unterstützung von der Politik brauchen. Zum einen braucht der Sport einen klaren Fahrplan beziehungsweise detaillierte Szenarien, wann was erlaubt sein wird und zum anderen geht es um eine wirtschaftliche Unterstützung und eine transparente und faire Verteilung. Der Sport hat eine so hohe soziale und gesellschaftspolitische Relevanz, dass dieser in seiner Existenz nicht gefährdet werden darf. Eine finanzielle Unterstützung für den Sport ist nicht nur dringend notwendig, sondern wäre auch ein sehr cleverer Schachzug der Politik, weil der Sport so viele Bereiche abdeckt und eine weitreichende Wertschöpfungskette dahintersteckt. Das heißt, ich sehe es aus Sicht der Politik nicht als Unterstützung, sondern als eine sinnvolle Investition!
Habt ihr einen Fahrplan, wie und wann es mit dem regulären Spielbetrieb weitergeht?
Die Ballsportverbände arbeiten seit Wochen an einem Stufenplan. Unser Ziel ist es, die Saison regulär im September zu starten. Daher ist es unbedingt notwendig, dass wir allerspätestens im August mit normalem Handballtraining – sprich mit Körperkontakt in der Halle – loslegen dürfen.
Wichtig wird auch sein, dass sehr schnell Zuschauer erlaubt sein werden. Wenn Geisterspiele stattfinden, dann müssen alle Spiele fürs Fernsehen produziert werden, weil ansonsten die Grundlage für das Sponsoring wegfällt. Und eine TV-Produktion aller Spiele wird sich kaum eine Liga in Österreich – ohne Förderungen – leisten können.

Wie kann sich diese langfristige Unterbrechung auf die sportliche Leistungsfähigkeit aus? Es ist schon klar, dass ihr nichts “verlernt” haben werdet – aber es wird wohl eine gewisse Zeit brauchen, bis der alte Rhythmus wieder da ist, oder?
Es kann schon sein, dass zu Beginn die Fehlerquote etwas höher sein wird. Aber dadurch, dass die Rahmenbedingungen für alle gleich sind, glaube ich, dass der Rhythmus relativ schnell wiederkommen wird. Und es gibt zumindest auch etwas Positives. Für die Profis ist es ein guter Zeitpunkt, um an den athletischen Defiziten zu arbeiten. So viel Zeit für die Athletik hatten wir noch nie. Davon werden auch einige Spieler profitieren können.

Wird der Sport nach der Krise der gleiche sein wie vorher? Was könnte sich deiner Meinung nach ändern?

Der Sport wird der gleiche sein, aber die Rahmenbedingungen vermutlich nicht. Vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht wird es herausfordernd bleiben. Da wird man kreativ sein und auch unternehmerisch denken müssen, um Gelder für den Sport aufstellen zu können. Durch klassisches Sponsoring alleine wird es sehr schwer. Eine Überarbeitung betreffend der Förderlandschaft und der Verteilung der TV-Gelder wäre wünschenswert.
Wie sehr freust du dich aufs erste Spiel nach der Pause?
Ich kann es kaum erwarten. Vor allem, weil wir dann endlich den Rückenwind von der erfolgreichen Handball-EM nutzen wollen, die im Jänner 2020 in Österreich stattgefunden hat. Es darf nicht vergessen werde, dass das österreichische Handball-Nationalteam mit dem sensationellen 8.Platz Geschichte geschrieben hat und dass man einen wahren Boom ausgelöst hat – nicht nur mit top Einschaltquoten vor den Bildschirmen, sondern auch live in der Halle.

Konrad „Conny“ Wilczynski, 38, trug als Spieler 136 Mal das Trikot des Österreichischen Nationalteams, feierte mit Bregenz drei Meistertitel und wurde 2008 mit 237 Saisontreffern für Füchse Berlin Torschützenkönig. 2014 beendete der gebürtige Wiener seine aktive Karriere und schloss danach ein Wirtschaftsstudium ab. 2016 gründete er mit Fußballer Marc Janko, Beachvolleyballer Clemens Doppler und Basketballer Thommy Klepeisz die „Sportbox“. Bei der SG Handball WESTWIEN fungiert Conny als geschäftsführender Manager, bei Handball Mödling als Obmann.

 
Titelbild: Conny Wilczynski
Fotos: Schiffleitner

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