Roland Ludomirska: „Käse soll nicht nur satt, sondern glücklich machen“

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Startet im Bezirk Mödling eine weltweite Erfolgsgeschichte? Ja, sagt Roland Ludomirska, der mit seiner Crazy Cheese Manufacture Farbe in die SCS bringt. Was ihn an extravaganten Käsekreationen so reizt, wie er mit negativer Kritik umgeht und wie verrückt man sein muss, wenn man einen Champagner um 50.000 Euro anbietet, erzählt der 51-jährige Unternehmer in unserem exklusiven Interview.
Roland, du hast in der Shopping City Süd den Flagshipstore deiner neuen Crazy Cheese-Kette eröffnet. Warum hast du dich zum Start für den Bezirk Mödling entschieden?
Ganz einfach: Weil die SCS das größte und beste Shopping-Center Österreichs ist. Wir wollten entweder in der Wiener Innenstadt oder im besten Einkaufszentrum des Landes beginnen. Ich glaube, dass es eine sehr gute Entscheidung war, in der SCS zu starten, denn durch das Ausbleiben der Touristen leidet die Wiener Innenstadt viel stärker unter dem Corona-Shutdown.

Ihr bietet in eurer Crazy Cheese Manufacture auf 55 Quadratmeter 15 extravagante Käsesorten an, etwa einen „Liebeskäse“, den „Schwarzen Diamanten“ und den „Roten Rubin“ – wie verrückt muss man sein, um ein Geschäft rund um das Thema Käse aufzumachen?
Ich habe zwei große Leidenschaften: Käse und Champagner. Meine Vision ist es, Käse als Lifestyle-Produkt zu verkaufen. Käse soll Menschen nicht nur satt, sondern auch glücklich machen. Ich finde es schade, dass andere Produkte einen ganz anderen Stellenwert in der Gesellschaft haben als Lebensmittel. Käse verdient viel mehr Aufmerksamkeit! Die Aufmerksamkeit bekommen wir aber nur, wenn wir außergewöhnliche Käsesorten anbieten können – und die musste ich zuerst selbst kreieren.
Du lässt deine Käse in Holland produzieren – warum nicht in Österreich?
Weil hier niemand meine Ideen umsetzen kann. Wenn ich einen Vorarlberger Käsemacher frage, ob er mir einen blauen oder roten Käse produziert, fragt er mich, ob ich spinne. Die Holländer sind offener und innovativer und können meine Ideen, zum Beispiel einen Bananenkäse, einfach umsetzen.
https://www.facebook.com/crazycheesemanufacture/videos/599616040989883/
 Wie kommt man auf die Idee, den Käse in den Mittelpunkt seiner Geschäftsinteressen zu stellen?
Eigentlich bin ich gelernter Fotokaufmann. Später habe ich als Verkäufer auf Messen gearbeitet und viel über das Kaufverhalten der Menschen gelernt. Ich habe verschiedene Käsesorten auf den Markt gebracht und bald gemerkt, dass es große Unterschiede zwischen einzelnen Ländern oder sogar Bundesländern gibt. Die Bayern kaufen ganz andere Produkte als die Menschen in Hannover. Menschen in Großstädten sind viel offener für verrückte Ideen. In anderen Gegenden ärgern sich die Menschen über meine Innovationen und sagen: Ein Kas´ muss ausschau´n wie ein Kas´. Aber genau das macht es aus: Unser Käse muss Spaß machen!
Ein schönes, weil auch optisch sehr originelles, Beispiel ist euer blauer Lavendelkäse…
Der ist nicht auf meinem Mist gewachsen, den habe ich selbst auf einem Markt in kleinerer Form entdeckt. Ich habe ihn probiert, aber er nicht so geschmeckt, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich habe dann dafür gesorgt, dass er noch mehr nach Lavendel schmeckt. Was bei uns auch anders ist als bei anderen Anbietern: Alle unsere Käse werden in 30 Kilo schweren Laiben produziert und da ist es oft notwendig, die Rezeptur an die Größe anzupassen. Ich arbeite sehr intensiv an der Optimierung einer Rezeptur und ich bin erst zufrieden, wenn er mir persönlich gut schmeckt.

Deine Käse bekommen aber erstaunlicherweise extrem schlechte Kritiken auf Google…
Ja, ja, ja, die kenne ich, ich werde sehr oft darauf angesprochen. Ich schätze, dass 60 Prozent der negativen Rezensionen von Milchbauern und Landwirten kommen, die einfach nicht verstehen können, wie man einen Kilo Käse um 200 Euro verkaufen kann. Sie stellen mich als Betrüger hin und behaupten, dass es den gleichen Käse anderswo viel billiger gibt. Aber das ist Blödsinn. Es mag ähnliche Produkte geben, aber unsere Rezepturen sind einzigartig und damit garantiert nirgends billiger. Und ich zocke auch niemanden ab, wie öfters behauptet wurde. Es wird ja niemand gezwungen, unseren Käse zu kaufen. Aber es gibt eben Menschen, die sich unsere Käse gönnen wollen, auch wenn sie vielleicht mehr kosten als andere.
Wieviel Käse habt ihr auf Lager?
Der Store in der SCS war ja nur der Anfang, mittlerweile gibt es vier Crazy Cheese-Filialen, zwei weitere folgen in Kürze. Unser Lager haben wir in der Nähe von Graz, von hier beliefern wir die Stores und versenden die Online-Bestellungen. Das Lager ist aber gar nicht so groß, pro Sorte haben wir 15 Laibe im Haus und jede Woche werden neue Produkte aus Holland angeliefert.
Weil du die anderen Shops schon angesprochen hast: Wie groß denkst du? Kann das Crazy-Cheese-Konzept über die österreichischen Grenzen hinweg funktionieren?
Wir haben uns vorgenommen, 200 Stores weltweit zu eröffnen. Das klingt jetzt vielleicht viel, aber nach den Shopping-Centern gehen wir 2021 in die österreichischen Innenstädte, danach stehen München, Berlin und Hamburg auf dem Plan. Das ganz große Ziel ist aber der amerikanische Markt. Wenn wir uns in Amerika etablieren, können wir zu einer Weltmarke werden. Ich denke, dass unser verrücktes Konzept noch viel besser nach Amerika passt als zu uns in Österreich.
Wo kommt das Geld her, das man für so große Pläne benötigt?
Das erwirtschaften wir uns jetzt gerade selbst. Am Anfang ist es natürlich schwierig, aber alle Gewinne werden gleich in neue Stores investiert. Ich denke, dass die Finanzierung ab einer Größe von zehn bis zwanzig Stores wesentlich einfacher wird.
Online kann man bei euch eine Flasche Champagner um 50.000 Euro kaufen – gibt es dafür wirklich einen Markt?
Na hoffentlich! Das ist die letzte Flasche dieser Art in Europa und dadurch ist der Preis auch gerechtfertigt. Das ist eine 6-Liter-Flasche Dom Pérignon Rosé Vintage Coffret Gold aus dem Jahr 2000 – die ist etwas ganz Besonderes! Natürlich ist sie ein Sammlerstück und natürlich ist es crazy – aber damit passt es super in unser Konzept. Speziell dann, wenn wir den Store in der Wiener Innenstadt eröffnen, werden wir für extravagante Champagner sicher Käufer aus Russland oder China finden.

Wie wichtig bist du mit deinen zahlreichen Tattoos und dem auffälligen Bart als Aushängeschild von Crazy Cheese?
Ich verkörpere die Geschäftsidee perfekt – weil ich selbst ein Kunde bin, dem es wurscht ist, ob etwas sinnvoll ist. Ich kaufe mir ja selbst Ferraris und Louis-Vuitton-Taschen – man braucht diesen Luxus nicht, aber er macht glücklich. Ich sage aber immer: Man braucht das, was einen glücklich macht. Natürlich gibt es Hater, die mich als eingebildeten Angeber betrachten. Aber das ist mir egal. Jeder soll sein Leben so leben dürfen, wie er will.

Roland Ludomirska, 51, ist geborener Wiener und lebt seit 20 Jahren in Hart bei Graz (Steiermark). Er beschäftigt sich seit Mitte der 1990er beruflich mit Käse, Anfang März eröffnete „The Lord of the Cheese“ in der Shopping City Süd (Tor 4, Allee Top 218) den Flagshipstore seiner Crazy Cheese Manufacture.
Weitere Infos: crazy-cheese.com
Fotos: Lex Karelly

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