Pflegemaßnahmen im Mödlingbach

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Mödling hat in Bezug auf zukunftweisende, nachhaltige Ökokonzepte schon oft die Vorreiterposition eingenommen. Nicht nur die neuen Denkansätze in der Waldbewirtschaftung sind bemerkenswert, auch das Verwerfen der alten, harten Hochwasserschutztechniken ist beispielhaft. Zur Jahrtausendwende entschied sich Mödling, die bestehende starre, betonierte Bachsohle auf weiten Abschnitten innerhalb des Stadtgebietes aufzureißen und nach den neuesten Erkenntnissen der Ingenieurbiologie mit Naturmaterialien zu restrukturieren.
Weitere, längerfristig zu planende Hochwasserschutzmaßnahmen sehen ein oder zwei Wasser- und Geschieberückhaltebecken im Hinterland (Wienerwald, Gaaden) zur Entlastung der Unterliegergemeinden Hinterbrühl und Mödling vor. Sie würden eine zusätzliche Steigerung der Hochwassersicherheit möglich machen und könnten vor allem die gefürchteten Hochwasserspitzen nach extremen Starkregenereignissen abpuffern.
Stadtgärtnerei im Einsatz
Aktuell ist wie alle Jahre ein spezieller Arbeitstrupp der Mödlinger Stadtgärtnerei im Einsatz, um die entsprechenden Pflegemaßnahmen im gesamten Bachregime vom Seniorenpark bachaufwärts bis zum Aquädukt durchzuführen. Der zuständige Stadtrat Dr. Leo Lindebner bedankt sich insbesondere bei Univ.-Prof Dr. Florin Florineth als Mödlings „Bachprofessor“ für die langjährige wissenschaftliche Bearbeitung der Mödlingbach-Renaturierung. „Der Mödlingbach als grünes Band mitten durch unsere Stadt konnte zu einem wertvollen Gewässerlebensraum entwickelt werden, seine positiven Leistungen für das Stadtklima sind wichtiger denn je.“
Die fachgerechte Pflege der Uferbegleitvegetation zwischen den Notwendigkeiten der Hochwasserabflusssicherheit, der Erziehung einer gut strukturierten standortsgerechten Gehölzvegetation, Neophytenbekämpfung und Erhalt eines attraktiven Grünlebensraumes, einschließlich des Bibermanagements wird seitens der Stadtgärtnerei sichergestellt, auch dafür bedankt sich Stadtrat Lindebner.
Bild: Leo Lindebner, Florin Florineth, Ulla Freilinger mit dem Gärtnereiteam rund um Gärtnermeister-Stellvertreter Jürgen Sauerzopf (von links) bei den Pflegemaßnahmen im Mödlingbach.
Foto: Bernhard Garaus
 
Eckdaten zum Mödlingbach:
1904            Nach der schweren Hochwasserkatastrophe am Mödlingbach im Jahr 1904 wurde nach dem damaligen Stand des Wissens eine harte Verbauung des Gerinnes als notwendig erachtet und realisiert, um die Sicherheit der Anwohner garantieren zu können. Der innerstädtische Flussverlauf wurde kanalisiert, die Sohle war charakterisiert durch eine betonierte, unbelebte Niederwasserrinne.
2000            Nach der im Jahr 2000 verabschiedeten EU-Wasserrahmenrichtlinie hatten nur noch Projekte, die den Schutz vor einem hunderjährlichen Hochwasser garantieren und gleichzeitig positive Effekte auf die Gewässerökologie nachweisen können, die Chance von Bund und Land Fördergelder lukrieren zu dürfen.
Mödling konnte mit dem Institut für Ingenieurbiologie an der Universität für Bodenkultur in Folge ein nachhaltiges Restrukturierungskonzept entwickeln, das nicht nur die Erhöhung der Hochwassersicherheit im Focus hatte, sondern auch die Ökologisierung des neu zu schaffenden Lebensraums zum Ziel hatte.
2003            In diesem Jahr wurde ein entsprechendes  Einreichungsprojekt für die Bachbettrenaturierung  zwischen Badstraße und Bahntrasse genehmigt, 2003 begannen die Umbaumaßnahmen.
2005/2006   Der Abschnitt zwischen Wehrgasse und Toni Berg-Promenade wurde 2005/2006 optimiert. Steilbetonstufen und historische Reste von Mühlenbauten wurden entfernt und durch eine offene Sohle, die fixiert wird durch Blocksteinsohlgurte, Weidenflechtzäune und Faschinen mit Steckholzeinsätzen, ersetzt.
2010            Der Kollaudierungsbescheid auferlegt der Gemeinde als Interessenten laufende Pflege- und Abstockungsmaßnahmen. Ein diesbezügliches Pflegekonzept des Instituts für Ingenieurbiologie an der Universität für Bodenkultur liegt seit 2005 vor.
Jährlich wird eine Begehung des gesamten Bachregimes innerhalb der Mödlinger Stadtgrenzen mit dem Ersteller des Konzeptes ab-gehalten, wo die notwendigen Maßnahmen zur Freihaltung des vorgeschriebenen HQ100-Querprofils besprochen und festgelegt werden.
Ab 2005      Die angezeigten Pflegemaßnahmen im Mödlingbach werden seit 2005 laut Maßnahmenplan und vorausgehender Besichtigung durch Sachverständige regelmäßig durchgeführt. Sie sind mit dem Ziel des Erhalts der Hochwassersicherheit der Mödlinger Bevölkerung bescheidmäßig festgelegt.
Neben einem kontinuierlichen kräftigen Aufstocksetzen der Wei-den und dem regelmäßigen Ausbaggern der Auflandungen sowie dem beharrlichen Ausräumen von Schwemmgut und Verklausungsmaterial notwendig, um das Profil offen zu halten, dass ein hundertjährliches Hochwasser schadlos abzuleiten vermag.
Ohne laufende Eingriffe müsste mit brisanten Folgen für die Anrainer gerechnet werden.
2016            Der letzte Rückbauabschnitt wurde fertiggestellt. Die Folgekontrollen des nachhaltigen Rückbaus des Mödlingbachs durch die Wasserrechtsbehörde bestätigten, dass die technischen Eingriffe durchwegs als positiv zu beurteilen sind. Diplomarbeiten an der Universität für Bodenkultur, die den ökologischen Erfolg der Maß-nahmen zu evaluieren hatten, bestätigen, dass sich die Zusammensetzung der Aquafauna und –flora wie gewünscht entwickelt hat, u.a. ist die Wassertemperatur im beschatten Wasserkörper messbar gesunken.
2017            Das Auftreten eines Jungbibers auf Höhe der Achsenaugasse Mitte 2017, also etwa 10 Jahre nach Beendigung der Bauarbeiten im Abschnitt oberhalb der Bahntrasse, ist die praktische Bestätigung der wissenschaftlich-theoretischen Erkenntnisse: Erst die umsichtige effiziente Herstellung eines attraktiven Lebensraums konnten ihn so weit bachaufwärts locken.
Ab 2017      Aus hochwasserschutztechnischen Gründen muss allerdings verhindert werden, dass das Tier Staubauten anlegt. Sanfte, angemessene und legitime Maßnahmen, um den Biber zum Abwandern zu motivieren, müssen laufend durchgeführt werden. Lokale Maßnahmen im engen Uferbereich, wie z.B. ein starkes Aufstocksetzen, sind ein Option. Der Nahrungsmittelentzug ist als eine erprobte und erfolgversprechende Maßnahme, den Biber zum Absiedeln zu zwingen, zu bewerten.

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