Mödlinger Kaffehausbesitzerin findet zurückgelassene Schildkröte in Sackerl

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Da staunte eine Lokalbesitzerin in Mödling wohl nicht schlecht, als sie kürzlich zur Sperrstunde eine verlassene Papiertragetasche in ihrem Kaffeehaus entdeckte. Nicht über die Tasche selbst, sehr wohl aber über den Inhalt: Darin befand sich ein Plastikgefäß mit einer Moschusschildkröte, die von Unbekannten in dem Lokal einfach zurückgelassen wurde. Ein Lebewesen einfach seinem Schicksal zu überlassen ist an sich schon strafbar und ethisch höchst verwerflich, die aktuelle Aktion ist noch dazu höchst dreist. Die Aufschrift, die auf der Tragetasche zu lesen ist – „Ich stecke voller Leben“ – hat zwar nicht direkt mit dieser Causa zu tun, wirkt aber aufgrund der Situation äußerst bizarr.

Die Lokalbesitzerin brachte das Panzertier umgehend nach dem Fund in den Wiener Tierschutzverein (WTV) nach Vösendorf. Bei der tierärztlichen Untersuchung stellte sich heraus, dass die Schildkröte auf beiden Augen an einer Linsentrübung leidet. Es wird davon ausgegangen, dass das Tier blind sein dürfe. Aktuell wird „Mushu“, so der neue Name des Schildkrötenmännchens, daher mit Vitamin-Tropfen behandelt. Die WTV-Tierärzte hoffen, dass das Reptil dadurch sein Sehvermögen wiedererlangt. „Mushu“ ist nun in einem großen Aquaterrarium im WTV-Kleintierhaus untergebracht.
Sich selbst eingestehen zu müssen, dass man sich um sein Haustier nicht mehr kümmern kann oder will, ist freilich keine leichte Sache. Dennoch gibt es in Österreich Institutionen wie den WTV, an welche sich verzweifelte Menschen wenden können und wo versucht wird, die bestmögliche Lösung für Mensch und Tier zu finden. Es gibt daher keinen Grund und keine Entschuldigung dafür, ein Lebewesen einfach wie Müll zurückzulassen.
Die Gewöhnliche Moschusschildkröte (Sternotherus odoratus) ist eine im Süßwasser lebende Schildkrötenart und stammt eigentlich aus Nordamerika. Sie ist also in Europa nicht heimisch, sondern wird leider, ähnlich wie Schmuckschildkröten oder Höckerschildkröten, in amerikanischen Zuchtfarmen für den weltweiten Heimtiermarkt vermehrt.
Fotos: Wiener Tierschutzverein

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