Leben im Zentrum – Mödling 2030 – mit vitalem Kern oder hohler Mitte?

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Geschäftesterben, steigende Immobilienpreise, Überalterung, Verödung. Was viele Innenstädte bedroht soll in Mödling nicht passieren. Wie bleibt Leben im Erdgeschoss, wie kommt Bewegung ins Zentrum? Was kann die Stadtplanung, was können alle dazu beitragen?
Bei der Veranstaltung am 3.10. diskutierte im prall gefüllten Kursalon dazu eine bunte Runde aus Fachleuten und MödlingerInnen. „Vor den Türen der Gemeinden werden Einkaufszentren und Wohnsiedlungen angelegt, die alten Ortskerne verstummen. Im schlimmsten Fall entsteht durch die fehlenden Aktivitäten Leerstand in ehemals lebendigen Zentren. Man spricht vom Donut-Effekt und der frisst die Ortskerne leer.“ So Experte Roland Gruber vom Architekturbüro nonconform, das schon vielen Ortskernen neues Leben eingehaucht hat.
Der Kern von Mödling ist in einem recht guten Zustand, Leerstand noch die Ausnahme. Mit Blick auf die demografische Entwicklung in Mödling gelte es jedoch, das Zentrum auch weiterhin als Ort für Wohnen, Freizeit und Einkaufen oder auch Arbeiten für Junge attraktiv zu halten oder zu machen, ist die Überzeugung von Stadtrat Rainer Praschak. Dafür brauche es auch angemessene bauliche Weiterentwicklung im Zentrum und Investitionen in attraktiven öffentlichen Raum.
„Ganz entscheidend ist die Frequenz an Menschen, die zu Fuß unterwegs sind, denn sie sind die Lebensader für den stationären Handel, der die Erdgeschosse belebt, es geht um Frequenz, Frequenz, Frequenz!“, so Gert Zaunbauer, Obmann des Vereins Stadtmarketing. Voraussetzung dafür ist ein attraktiver, gut nutzbarer öffentlicher Raum, gute Mobilitätsangebote genauso wie ein ausgeprägtes Bewusstsein für den lokalen Einkauf. Immerhin hat der Onlinehandel im manchen Branchen Steigerungsraten von jährlich 10 Prozent. Kurt Hraby, lange Zeit als Stadtrat für Wirtschaft und Innenstadtbelebung in Waidhofen/Ybbs verantwortlich,benennt die Erfolgsfaktoren: initiative Menschen, Ausdauer und viele kleine und mitunter kreative Lösungen. Der laufende und partnerschaftliche Dialog mit HausbesitzerInnen sei einer der zentralen Schlüssel.
Roland Gruber empfahl dazu die Digitalisierung zu verwenden und neuartige Nutzungen in Erdgeschosse zu bringen wie etwa moderne Arbeitsstätten oder Treffpunkte. Denn auch Belinda Rukschcio von der deutschen Bundesstiftung Baukultur stellte fest, dass „die vielen SchülerInnen in Mödling ein Goldschatz sind. Es muss gelingen, diese ins Zentrum zu holen.
Und das nicht nur für Freizeitaktivitäten. „Denn „Menschen ziehen Menschen an“, und „das Leben darf nicht um 19 Uhr enden.“ so Jens Dangschat, Soziologe an der TU Wien. Und junge Menschen sind die beste Möglichkeit, ein Stadtzentrum vital zu halten. Daher brauche es auch im Zentrum, oder jedenfalls in fußläufiger Nähe leistbaren Wohnraum.
Aber auch die Schaffung von kulturellem Angebot, die Belebung durch Events machen ein belebtes Zentrum aus. Roland Gruber plädierte aus seiner Erfahrung für den Mut zu einen „Reallabor“: neues zu versuchen und zu testen, Initiativen zu setzen, die Impulse der Belebung in die Erdgeschosse und mitunter in die ganzen Gebäude bringen können. Denn das vitales Zentrum ist wie das Herz eines gesunden Organismus: das braucht Vorsorge, Bewegung und damit rechtzeitige Investitionen in seine Gesundheit, um auch weiterhin ruhig und kräftig schlagen zu können.
 
Bild: Stadtplanung im Dialog zum Thema Leben im Zentrum. v.l.: Rainer Praschak, Kurt Hraby, Belinda Rukschcio, Jens Dangschat, Roland Gruber, Gert Zaunbauer und Wolfgang Gerlich.
FOTO: Kraus

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