Jobs im Bezirk Mödling: „Was macht eigentlich ein Bezirkshauptmann?”

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Wir haben bei Dr. Philipp Enzinger Nachgefragt!

Die Bezirkshauptmannschaft ist aus unserem täglichen Leben nicht wegzudenken. Aber worin liegt eigentlich die Aufgabe dieser Behörde und ihres Leiters? Wir haben beim Bezirkshauptmann von Mödling, Dr. Philipp Enzinger, nachgefragt.

Herr Dr. Enzinger: Was macht eigentlich ein Bezirkshauptmann?
Vorweg eine kleine Erklärung: Der Bezirkshauptmann ist kein Politiker. Er wird nicht gewählt, sondern mit Beschluss der Landesregierung eingesetzt und auf Dauer bestellt. Das Amt ist somit einerseits politisch unabhängig und andererseits neutral und objektiv.
 
Neutral und objektiv, auch gegenüber der Politik in den Gemeinden?
Genau. Sie müssen sich das so vorstellen: Alle unangenehmen Aufgaben werden von der Bezirkshauptmannschaft erledigt: alle Verwaltungsstrafverfahren liegen bei uns, Entzüge der Lenkberechtigung, Polizeiangelegenheiten und vieles mehr. Für einen Bürgermeister wäre es höchst unangenehm, seine eigenen Bürger bestrafen zu müssen. Früher waren wir auch Fremdenpolizei, jetzt sind wir nur noch Aufenthaltsbehörde. Manchmal haben wir die traurige Pflicht, Kinder aus Familien zu nehmen, wenn sie gefährdet sind – das heißt, wir ziehen die Obsorge an uns. Und wir sind Vollstreckungsbehörde: Wenn von einer anderen Behörde oder etwa der Sozialversicherung eine Leistung von einem Bürger gefordert werden muss und diese Verpflichtung nicht eingehalten wird, dann vollstrecken wir mit Zwang. Das reicht von Geld-Exekutionen bis zum Abriss illegal errichteter Gebäude.

Foto: Stadtgemeinde Mödling / Boeger – Aufnahme entstand vor der Corona-Pandemie

Das klingt eher nach unpopulären Aufgaben.
Mit unserer Arbeit entlasten wir aber die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in den einzelnen Gemeinden sehr stark. Wir haben aber auch sehr schöne Aufgaben. Wir sind zum Beispiel die Bezirkswahlbehörde. Und zu unseren allgemeinen Leistungen zählt etwa auch die Ausgabe von Reisepässen und Führerscheinen. Hier bekommen wir ausschließlich positive Rückmeldungen. Die Bürger erhalten einen persönlichen Termin und kommen daher sofort an die Reihe, die Dokumente werden binnen weniger Tage zugestellt.
 
Wo ist ihre Arbeit noch im täglichen Leben spürbar?
Wir sind zum Beispiel die Behörde, die Betriebsanlagen genehmigt. Alles, was in Industrie, Wirtschaft und größerem Handel genehmigt werden muss, geht über unsere Schreibtische. Damit unterstützen wir die Wirtschaft, schützen aber gleichzeitig die Bürgerinnen und Bürger vor unzumutbaren Beeinträchtigungen oder Gesundheitsgefährdungen. Gleichzeitig sind wir die Umweltschutzbehörde, weil natürlich auch das Emissionsverhalten ganz genau geprüft wird. Zusätzlich sind wir Land- und Forstwirtschaftsbehörde und Wasserrechtsbehörde.
 
Liegen bei Ihnen nicht auch die Agenden einer Gesundheitsbehörde?
Richtig. Neben anderen Aspekten waren wir immer schon Epidemie-Behörde. Nur hatten wir bisher eine überschaubare Menge an Fällen von Masern oder Tuberkulose zu behandeln. Mit Corona hat sich sehr viel für geändert. Wir hatten in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt rund 40.000 Fälle – wobei in dieser Zahl Verdachtsfälle, Infizierte und Kontaktpersonen beinhaltet sind. Es ist eine riesige Anstrengung für uns, eine riesige Aufgabe – aber unglaublich wichtig für die Sicherheit der Menschen.
 
Um es sehr salopp zu formulieren: Langweilig wird Ihnen nicht so schnell auf der Bezirkshauptmannschaft…
Stimmt. Und, nicht zu vergessen: Wir sind auch noch Sozialamt – was für viele Menschen ganz, ganz wichtig ist. Über uns läuft die Sozialhilfe, die Behindertenhilfe oder auch die Unterbringung von pflegebedürftigen Menschen in Pflegeheimen.
 
Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben Sie?
Im Normalfall rund 175. Jetzt, in der Pandemie, haben wir rund 60 zusätzliche Mitarbeiter, die sich unter anderem rund sieben Tage die Woche ums Contact Tracing bei infizierten Mitbürgern kümmern. Darunter sind auch einige niedergelassene oder bereits pensionierte Ärzte, die uns stunden- oder tageweise mit ihrem Know-how unterstützen.
 
In welcher Beziehung stehen Sie zu den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern des Bezirks?
Sie sind grundsätzlich selbständig, was die Aufgaben des eigenen Wirkungsbereiches der Gemeinde betrifft, also zum Beispiel beim Baurecht, bei Raumordnung und Infrastruktur. Wir verstehen uns als Kollegen, in der Zusammenarbeit sind wir Partner. Als Bezirkshauptmann bin ich die Gemeindeaufsicht, um im Anlassfall überprüfen zu können, ob rechtlich richtig gehandelt wurde. Aber auch das geschieht auf Augenhöhe. Neben unserer wöchentlichen Konferenz führe ich den Vorsitz in einer Art Entwicklungsgremium: In der „Regionalplattform Mödling” haben sich alle Gemeinden zusammengeschlossen, es werden gemeinsame Projekte entwickelt und durchgeführt, etwa im Bereich des Flächenmanagements. Die Gemeinden haben sich verständigt, kein uferloses Wachstum ohne Rücksicht auf die Nachbarsgemeinde und die Verkehrsinfrastruktur zuzulassen.
 
Welche Voraussetzung muss man erfüllen, um Bezirkshauptmann werden können?
Man muss Jurist sein. Bezirkshauptmann ist, wenn ich es pointiert ausdrücken darf, ein Lehrberuf: Man wird in mehreren Etappen konsequent an die Aufgabe herangeführt. Nach dem Universitätsstudium arbeitet man eine Zeit lang am Landesverwaltungsgericht, später ist man für vier Monate Ausbildungsjurist auf einer Bezirkshauptmannschaft. Dabei lernt man nach einem klaren Ausbildungskonzept mit klaren Lernzielen alle Stationen und Aufgaben dieser Behörde kennen. Danach übernimmt man in der Regel ein Fachgebiet, also bereits fachliche Verantwortung und Führungsaufgaben, oft schon auf einer weiteren Bezirkshauptmannschaft.

Foto: NLK Pfeiffer

Und Sie durchlaufen dann an einem Ort alle Stationen?
Nein. Man muss an zwei verschiedenen Bezirkshauptmannschaften ein Fachgebiet geleitet haben, damit man in einem dritten Bezirk Bezirkshauptmann-Stellvertreter werden kann. Und nach zwei verschiedenen Stellvertreter-Positionen, kann man sich an einem weiteren Ort als Bezirkshauptmann bewerben. Ich habe zum Beispiel meinen Dienstort in elf Jahren acht Mal gewechselt – das ist sehr fordernd, bringt aber auch sehr viel Erfahrung.
                                                                                                                         
War Bezirkshauptmann schon immer Ihr Berufswunsch?
Man sollte sich relativ früh für diesen Beruf interessieren. Und es zeigt sich meistens spätestens in der Ausbildung, wo die eigenen Stärken und Vorlieben liegen und ob man sich für diese Aufgaben eignet. Für mich war es tatsächlich mein großer Berufswunsch, weil diese Aufgabe so vielfältig und abwechslungsreich ist. Und weil man direkt bei den Menschen ist und sieht, dass die eigenen Entscheidungen tatsächlich im richtigen Leben etwas bewirken.

Zur Person:
Dr. Philipp Enzinger, 55, wurde im Dezember 2010 zum Bezirkshauptmann von Mödling bestellt. Davor war der Jurist bereits Bezirkshauptmann-Stellvertreter in Wien-Umgebung, Lilienfeld und Bruck an der Leitha, von 2007 bis 2010 war es Bezirkshauptmann von Wiener Neustadt. Der zweifache Familienvater ist gebürtiger Wiener und lebt in Brunn am Gebirge.

Lies auch andere Interviews aus unserer Serie: “Was macht eigentlich ein...”

Finde hier: Jobs im Bezirk Mödling + Umgebung

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