„Jeder hat schon Sehnsucht nach dem Rallyesport“

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2018 gewann er bei Österreichs größter Talentsuche im Rennsport den Titel „Racing Rookie“ – und einen Ford Fiesta ST Rallye. Mit diesem Boliden startete Luca Pröglhöf heuer fantastisch in die Rallye-Staatsmeisterschaft, ehe das Corona-Virus auch die PS-Ritter im Bezirk Mödling abrupt ausbremste. Im Interview erzählt uns der 20-jährige Sittendorfer, wie er die Pause dennoch sinnvoll nutzen konnte, wie wichtig seine verlässlichen Partner sind und warum er bald wieder so viel als möglich im Auto sitzen will.
Du bist mit deinem Beifahrer Peter Medinger im ROOKIE Rallye Team bei der Jännerrallye sehr stark in die Saison gestartet, dann wurden die nächsten Rennen der Österreichischen Meisterschaft bis Anfang September abgesagt. Was bedeutet der verordnete Lockdown für dich? Und was bedeutet er für dein Team?
Richtig, wir konnten gleich bei unserer ersten Schneerallye zeigen was, wir drauf haben und führen somit die Meisterschaft in der Juniorenwertung an, in der zweiradangetriebenen Klasse liegen wir auf Platz 2. Somit waren wir nach der Rallye sehr motiviert, die weiteren Rennen in der Saison genauso erfolgreich abzuschließen. Leider hat uns der Lockdown ziemlich ausgebremst – einige Rallyes wurden abgesagt und andere in den September verschoben. Wir mussten also eine Zwangspause einlegen. Aber wir haben beschlossen, eine größere Bremsanlage in unseren Fiesta zu verbauen. Dieser Eingriff war doch umfangreicher als gedacht, da wir als erstes Team diese Bremsanlage in ein seriennahes Fahrzeug eingebaut haben und deshalb vieles adaptieren mussten.
Wer hat dir bei der Arbeit geholfen?
Die Teammitglieder, die im Normalfall für die Technik zuständig sind, habe ich gebeten, vorab nicht mit mir in die Werkstatt zu kommen. Aber mit der Hilfe von meinem Vater habe ich es geschafft, die Bremsanlage fertigzustellen.
Also war die Zeit in der Pause zumindest gut genützt…
Wir haben einige Verbesserungen am Fahrwerk durchgeführt und das Fahrzeug nochmal komplett durchgecheckt. Somit ist unser Ford Fiesta ST nun perfekt vorbereitet und wartet in der Garage auf seinen ersten Einsatz. Mitte Juni haben wir erstmals wieder eine Teamzusammenkunft durchgeführt und die Jungs auf den aktuellen Stand gebracht – Fazit dieses Abends: Das ganze Team ist höchstmotiviert, endlich wieder Gas zu geben.
Du hast via Facebook immer wieder Grüße aus erzwungener Pause geschickt, zum Beispiel aus der geschlossenen Werkstatt – wie wichtig war es für dich, mit deinen Fans zumindest auf diesem Weg in Kontakt zu bleiben?
Mein Ziel, aber auch das vom Team, ist es, junge Menschen mit unserem Rallyeprojekt zu motivieren. Somit ist es umso wichtiger, sie in schweren Zeiten aufzumuntern. Deshalb haben wir uns regelmäßig nette Botschaften und Posts für die Sozialen Medien überlegt. Und natürlich auch, um unsere Partner und Sponsoren in der Coronazeit werbewirksam zu präsentieren.
Autofahren durfte man ja auch während des Lockdowns. Aber durftet ihr Rallyefahrer eigentlich draußen auf den Feldwegen trainieren? Oder hattest du andere Trainingsmöglichkeiten, etwa am Simulator?
Leider war es gesetzlich untersagt, Rallyetests durchzuführen, da Krankenhäuser für COVID-Patienten freigehalten werden mussten und das Risiko bei motorsportlichen Aktivitäten zu hoch war. Um wenigstens etwas am Lenkrad „reißen“ zu können, habe ich mir einen Rennsimulator zugelegt. Es macht auf alle Fälle Riesenspaß, damit zu spielen – mit echtem Rallyefahren hat es aber nur wenig zu tun. Lenkkräfte, Rückstellwirkung und Bremskraft werden zwar simuliert, aber da der Simulator natürlich nur statisch dasteht, spürt man die physikalischen Kräfte nicht, die auf den Körper wirken.

Die sind beim Rallyefahren aber ganz wichtige Informationen für den Fahrer, nicht wahr?
Ja, man spürt im Auto jede kleinste Richtungsänderung und kann blitzschnell reagieren, sobald man mit seinem „Hintern“ merkt, dass sich das Auto bewegt. Es hat somit etwas gedauert, bis ich mich daran gewöhnt habe, dass ich nur visuell mitbekomme, was das Auto macht.
Glaubst du, dass dich die Pause härter trifft als ältere, routiniertere Kollegen?
Ich glaube, die Pause hat alle Teams hart getroffen und alle wollen endlich wieder fahren. Für uns ist es dennoch etwas schwieriger, da wir erst ein Jahr dabei sind und nun endlich die Routine im kompletten Team eingetreten ist. Es wird nach der Rallyepause vermutlich etwas dauern, bis wir wieder auf Hochtouren laufen können. Ich bin jedoch sehr zuversichtlich, dass wir nach den ersten Testläufen wieder optimal zusammenarbeiten können. Natürlich ist es für Fahrer und Beifahrer schwierig, nach so langer Pause wieder voll loszulegen. Somit ist es umso wichtiger, vorab Tests und viele Kilometer zu sammeln, um dann im Wettbewerb wieder voll konzentriert zu sein.
Wie groß ist der finanzielle Schaden für euch jetzt schon und wie wirken sich die entfallenen Rennen finanziell für die Zukunft aus?
Am Anfang der Saison ist die Sponsorensuche gut angelaufen. Die Partner aus dem vergangenen Jahr sind uns alle geblieben und wir konnten einige neue Sponsoren mit ins Team holen. Nachdem Rallye aber ein technischer Sport ist und somit sehr kostenintensiv, waren wir weiterhin auf der Suche nach langfristigen Partnerschaften. Mit dem Aufkommen von Corona habe ich die Suche abgebrochen, da die Krise natürlich viele Unternehmen hart getroffen hat und ich es unpassend fand, um ein Sponsoring anzusuchen.
Wir hatten außerdem verschiedenste Veranstaltungen für unsere Partner geplant, leider hat uns auch hier das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung gemacht und wir mussten die Veranstaltungen auf unbekannte Zeit verschieben – hier entgehen uns wichtige Einnahmen, die wir für unser Rallyeprojekt genutzt hätten.
Mittlerweile nehmen wir die Sponsorensuche wieder auf, da nun endlich sicher ist, dass dieses Jahr noch Läufe stattfinden werden. Hierzu brauchen wir die finanziellen Mittel, um ganz vorne mitfahren zu können. Des Weiteren haben wir vor, nächstes Jahr noch einen Schritt nach vorne zu machen, mit einem stärkeren Auto und im besten Fall auch mit internationalen Läufen. Daher ist es umso wichtiger, langfristige Partner zu gewinnen, die an uns glauben und uns unterstützen wollen.
Wie wichtig war es, dass deine Sponsoren in der Krise zu dir stehen?
Bei einem Sponsoring geht es immer um Geben und Nehmen. Wir sind unendlich froh darüber, dass wir zuverlässige Partner haben, die uns unseren Sport finanzieren – aus eigener Tasche ist dies einfach nicht machbar.
Da wir in der Krise leider nicht fahren konnten, haben wir uns natürlich überlegt, wie wir unsere Partner präsentieren können. Zum Beispiel haben wir Motorsport-Gesichtsmasken angefertigt und diese an unsere Partner und Fans verschickt. So konnten wir den Kontakt zu unseren Sponsoren aufrechterhalten.
Wie kann sich diese langfristige Unterbrechung auf die sportliche Leistungsfähigkeit auswirken?
Um flott unterwegs sein zu können, muss man möglichst viel im Rallyeauto sitzen. Es hängt von vielen Faktoren ab, angefangen von der langen Konzentration, Kommunikation im Team, aber auch von der körperlichen Fitness. Somit ist es in der Pause wichtig, seinen Kopf und seinen Körper fit zu halten und nicht aus dem Schwung zu kommen.
Wird der Sport nach der Krise der gleiche sein wie vorher? Was könnte sich deiner Meinung nach ändern?
Ich bin mir sicher, dass nach dieser Pause das Starterfeld, aber auch die Fanmassen riesig sein werden. Jeder hat schon Sehnsucht nach dem Rallyesport. Jedoch wird die Corona-Krise jene Fahrer getroffen haben, die sich ihren Sport mit ihrer eigenen Firma finanzieren und nun einmal das Augenmerk auf ihr Unternehmen legen müssen
Wie sehr freust du dich aufs erste Rennen nach der Pause? Welche sportlichen Ziele hast du heuer noch?
Ich kann meine Vorfreude kaum in Wort fassen! Wir haben uns dieses Jahr mit dem 2WD-Staatsmeisterschaftssieg sehr hohe Ziele gesetzt, somit war ich richtig happy, die ganze Meisterschaft im Auto zu sitzen. Die Pause war natürlich sehr lange und somit muss ich nun vernünftig sein und nichts übertreiben, wenn ich das erste Mal wieder im Rallyeauto sitze. Die Pause habe ich mir nicht gewünscht, dennoch bleibt meine Motivation und die vom Team erhalten. Die Ziele bleiben nach wie vor die gleichen und wir freuen uns, wenn wir endlich wieder gemeinsam Gas geben können.
 
Die Österreichische Rallye-Staatsmeisterschaft wird von 3. bis 5. September mit der Rallye Weiz fortgesetzt, danach geht es mit der NÖ-Rallye (18. bis 20. September in und um Pöggstall) und der Rallye W4 (13./14. November, Horn) in die finale Titelentscheidung.
Infos über Luca und sein ROOKIE Racing Team findest du auf: www.proeglhoef.racing
Fotocredits: Hackwolf & Bernhard Stüberl

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