Helene Nigl: Gefährlich ehrlich!

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Seit Mitte Mai setzt Helene Nigl in ihrer Meierei in Perchtoldsdorf noch mehr auf regionale Produkte. Und obwohl sie gerade richtig viel um Ohren hat, nimmt sie sich Zeit für ein großes Interview über ihr Leben im Bezirk Mödling, warum sie früher fünf Lokomotiven besessen hat und warum sie – noch – nicht in die Politik geht.
Liebe Helene, herzlichen Dank, dass du dir Zeit für ein Interview nimmst.
Sehr gerne! Aber bei mir spielt es sich momentan so richtig ab! Ich bin heute schon wieder seit halb fünf in der Früh auf den Beinen.
Du hast deinen ehemaligen Buschenschank am Kunigundberg Mitte Mai mit einem neuen Konzept eröffnet, „Helene“ ist jetzt eine Meierei sowie eine Hochzeits- und Eventlocation. Erklär uns doch bitte kurz den Unterschied.
Eine Meierei bietet die Möglichkeit zum Verkauf von regionalen Produkten. Das habe ich aber eigentlich eh immer schon getan. Ich habe immer schon regionale Produkte eingekauft und verarbeitet. Ich wollte nie verpacktes, vormariniertes Fleisch beim Konzern einkaufen. Seit ich 2005 hier begonnen habe, vertraue ich zum Beispiel dem gleichen Fleischhauer, nämlich dem Schöny-Hannes (Anm.: Fleischerei Johannes Schöny in Perchtoldsdorf).


Auffallend bei der „Helene“ ist die neue Speisekarte…
Ja, mein Freund Imre ist gebürtiger Amerikaner und er kocht sehr gut – und natürlich amerikanisch angehaucht. Wenn du einen Koch hast, der etwas besonders gut kann, dann musst du ihn das auch machen lassen. Es bringt nichts, wenn ich ihm sage: Du machst nur Schweinsbraten und Surschnitzel. Wenn man einem Mitarbeiter vertraut und ihn kreativ arbeiten lässt, dann ist das für einen Betrieb immer positiv.
Bevor du in die Gastronomie gewechselt bist, warst du lange Zeit Mineralöl-Händlerin und hast auch in anderen Bereichen Erfahrungen gesammelt.
Ja, ich habe schon Vieles gemacht. Angefangen habe ich mit Kaffee kochen. Dann war ich 18 Jahre lang Mineralöl-Händlerin und in dieser Zeit als einzige Frau in dieser Branche Geschäftsführerin. Nach der Liberalisierung der Eisenbahnen habe ich die ersten privaten Eisenbahnen besessen, nämlich fünf Lokomotiven, auf denen „Helene“ gestanden ist.

Wozu braucht man fünf Lokomotiven?
Das ist ein längere Geschichte. Ich war damals noch im Mineralöl-Geschäft und habe Ende der 1990er-Jahre gesehen, dass „Heizöl schwer“ über den Rhein-Main-Donaukanal zum Verarbeiten nach Holland verschifft wird, wenn bei der OMV in Schwechat der Cracker ausgefallen ist. Das hat normalerweise zwei Wochen gedauert und war dementsprechend teuer. Ich habe ein Tanklager in Holland ausfindig gemacht, das man per Bahn erreichen konnte und habe fünf eigene Lokomotiven gekauft. Wir haben die gleiche Strecke in 48 Stunden geschafft und waren dementsprechend wesentlich günstiger. Gleich im ersten Monat haben wir 35.000 Tonnen transportiert und ich habe sogar überlegt, selbst den Lokomotiv-Führerschein zu machen.

Was hast du aus deinen unterschiedlichsten Berufserfahrungen gelernt?
Das Wichtigste ist: Egal, was man macht, du musst sich von A bis Z auskennen. Wenn du, so wie ich jetzt, Gastronomin bist, musst du auch Toiletten putzen können. Wenn ein Mitarbeiter in Krankenstand geht oder nicht mehr für dich arbeiten will, musst du seinen Job rasch übernehmen können. Als ich 2005 zu Georg Nigl in die Gastronomie gewechselt bin, wusste ich: Ich muss selbst kochen können. Also habe ich die Leute, bei denen ich früher gerne sehr gut essen war, gebeten, es mir beizubringen. Haubenköche wie Günter Winter, der auch in Mödling bei Harry Holzer in der Küche war, haben mir innerhalb von zwei Jahren das Kochen beigebracht.

Du giltst in der Region als sehr mutige, visionäre Frau…
Ja, wenn ich sage, ich mache etwas, dann mache ich es!

Woher kommt dieser Wesenszug?
Ich hatte 18 Jahre lang einen Chef, der mir so viel Vertrauen entgegengebracht hat, dass ich tatsächlich dieses Selbstvertrauen aufbauen konnte. Er hat mich einfach machen lassen und dadurch bin ich so stark geworden.

Bist du selbst eigentlich Perchtoldsdorferin?
Nein, ich bin in Wien auf die Welt gekommen, dann haben wir eine Zeit lang in der Südstadt gelebt. Mit elf bin ich nach Mödling gekommen und dort unter anderem mit den Kabarettisten von den Hektikern ins Gymnasium in der Franz-Keim-Gasse gegangen. Ich bin mit dem Hintner Hansi, dem heutigen Mödlinger Bürgermeister, aufgewachsen und hab mit ihm ein Tennis-Doppel gebildet. Ich habe sehr viele, sehr gute Erinnerungen an Mödling.


Wie würdest du Menschen von außerhalb das Leben in Perchtoldsdorf beschreiben?
Das Leben ist schön. Wir haben hier eine sehr schöne, ländliche Gegend mit großer Heurigentradition. In letzter Zeit sind es zwar immer weniger geworden, aber ich sehe, dass die Jungen wieder Interesse daran entwickeln. Regionale Produkte werden wieder viel interessanter, niemand kauft mehr im Supermarkt eine Flasche Wein, die schon tausende Kilometer zurückgelegt hat.

Du hast zwei Hunde…
Ja, die Rosé soll angeblich ein Zwergspitz sein, wiegt allerdings über 18 Kilo. Ich wollte eigentlich nie eine Hündin haben, aber ein Gast, eine Ungarin mit langen Fingernägeln, hat gesagt, sie gibt den Hund ins Tierschutzheim. Und ich habe in der selben Sekunden entschieden: Nein, ich nehme sie! Und dann haben wir noch einen Berner-Sennen-/Schäfer-Mischling aus einem Tierschutzheim in Kärnten. Er heißt Kingston – nach der Stadt in New Mexico, in der mein Freund zuvor mit seiner ersten Frau gelebt hat.

Wo gehst mit denen bei dir in der Gegend am liebsten spazieren?
Gleich bei mir in den Weingärten, da brauche ich nur über die Straße gehen und bin schon im Grünen.

Wenn du nicht selbst zu Hause isst: Welche Lokale in der Region kannst du empfehlen?
Auf jeden Fall die Enoteca Amici Miei am Marktplatz von Perchtoldsdorf. Ganz, ganz super ist das Lonas in der Wiener Gasse in Perchtoldsdorf und dann natürlich der Kleibensturz in Brunn.

Du hast schon so viele Dinge getan und erlebt – hast du auf deinem Lebensweg eigentlich ein spezielles Ziel vor Augen?
Das Ziel ist, anständig zu leben. Und wenn ich einmal nicht mehr da bin, dann sollen sich die Leut‘ mit einem Lächeln an mich erinnern. Aber nicht, weil ich viel Geld hinterlassen habe, sondern weil ich eine Persönlichkeit war.

Was zeichnet deiner Persönlichkeit aus deiner Sicht aus?
Ich bin gefährlich ehrlich!

Mit Ehrlichkeit eckt man aber bekanntlich gerne bei anderen Menschen an.
Es ist mir egal, wenn ich irgendwo anecke. Ich werde sicher nichts sagen, was ich nicht so meine. Ich werde sicher auch nicht mit jedem Menschen gut sein, denn ich sage, was ich mir denke. Ich kann mich aber in andere Menschen hineinversetzen und verstehe, was sie denken und warum sie es denken. Ich bin kein Mensch, der von sich behauptet, immer im Recht zu sein. Es heißt vor allem nicht, dass ein anderer Mensch Unrecht hat, nur, weil er anderer Meinung ist als du.

Wärst du mit diesen Voraussetzungen eine gute Politikerin oder eher nicht?
Ich bin tatsächlich schon öfters gefragt worden, ob ich nicht in die Politik gehen möchte. Aber ich habe immer gesagt: „Ich bin der beste zweite Mann.“ Ich wäre gut für einen Politiker, wenn ich ihn unterstützen könnte. Momentan interessiert es mich nicht – aber vielleicht dann, wenn ich in Pension bin…


Helene Nigl bezeichnet sich selbst als „Arbeitstier“, das keinen Tag ihres Lebens im Krankenstand oder arbeitslos war. Mitte Mai verwandelte sie ihren ehemalige Buschenschank in Perchtoldsdorf in eine Meierei und Eventlocation mit 2.800 Quadratmeter großem Garten.
Die Öffnungszeiten sind Freitag, Samstag und Montag von 16 bis 22 Uhr und Sonntag von 10 bis 22 Uhr.
www.helene.at

Fotos: Alice Schiesser


Weitere Interviews mit Menschen aus dem Bezirk Mödling findest du hier!

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