„Der Fußball braucht seine Fans wie einen Bissen Brot!“

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Thomas Drabek, CEO des FC Flyeralarm Admira, im Interview über die Coronafolgen im Sport
Die Fußball-Bundesliga durfte als erster Sportwettbewerb nach Ausbruch der Corona-Pandemie wieder den Betrieb aufnehmen – und damit rollt auch im Bezirk Mödling endlich wieder die Kugel! Admira-Geschäftsführer Thomas Drabek erzählt uns im Interview, warum der Neustart richtig war und welcher Weg aus der größten Krise seit dem 2. Weltkrieg führen soll.
War es aus deiner Sicht richtig, den Spielbetrieb bei den Profis wieder aufzunehmen?
Ich bin mir sicher, dass in den vergangenen zwei Monaten seitens der Vereine und der Bundesliga in etlichen Sitzungen ein sehr gutes Konzept erarbeitet wurde, um den Spielbetrieb wieder aufnehmen zu können. In diese Sitzungen waren nicht nur Mediziner, sondern auch Experten aus der Sportbranche einbezogen. Die Abstimmung erfolgte schließlich mit Verantwortlichen aus dem Sport- und Gesundheitsministerium.
Im Gegensatz zu den Fußballern durften Handballer, Footballer und andere Sportarten mit Körperkontakt den Spielbetrieb noch nicht wieder aufnehmen. Sind bei euch wirtschaftliche Interessen – Stichwort Fernsehgelder – höher bewertet worden als bei anderen Sportarten?
Das denke ich nicht. Fußball darf nur unter ganz strengen Regeln gespielt werden, die die Vereine ja auch Geld kosten. Zum Beispiel die wöchentlichen PCR-Tests. Geisterspiele werden in der Öffentlichkeit vielleicht auch nicht ganz richtig wahrgenommen: Es geht darum, dass wir die Saison am grünen Rasen zu Ende bringen können und nicht am grünen Tisch. Bei Geisterspielen entsteht jedem Verein ein wirtschaftlicher Schaden. Trotzdem haben wir uns in der Liga gemeinsam entschlossen, die Saison fertig spielen zu wollen. Ein Abbruch hätte rechtlich und wirtschaftlich noch schwerwiegendere Folgen gehabt.


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„Geisterspiele“, also Spiele ohne Zuschauer im Stadion, können wohl nicht die Zukunft des Sports sein – zumal in anderen Bereichen unter bestimmten Umständen Zuschauer mit einem gewissen Platz zwischen den einzelnen Menschen zugelassen sind. In welche Richtung wird sich das im Fußball entwickeln?
Ich hoffe natürlich, dass wir sobald als möglich wieder Fans in den Stadien begrüßen dürfen. Der Fußball lebt von seinen Fans. Geisterspiele sind ein Mittel, um die Meisterschaft fertig spielen zu können. Das ist aber sicher kein Konzept für die Zukunft. Es werden im Hintergrund natürlich schon Konzepte für ein Öffnen der Stadien erarbeitet. Die Regierung hat ja auch schon bestätigt, dass Veranstaltungen unter bestimmten Auflagen erlaubt werden. Der Fußball braucht seine Fans jedenfalls wie einen Bissen Brot.
Die Admira hat Ende Mai das erste Meisterschaftsspiel nach dem Lockdown bei der Wiener Austria bestritten. Fans waren nicht zugelassen, aber du warst in deiner Funktion als CEO der Gastmannschaft natürlich im Stadion – kannst du uns die Stimmung im leeren Horr-Stadion schildern?
Persönlich habe ich mich vor allem gefreut, wieder live bei einem Spiel dabei sein zu dürfen. Aber es war eine ganz eigenartige Stimmung und ich hoffe, dass wir das bald wieder abstellen können.
Wie groß ist der wirtschaftliche Schaden für den Verein durch den Corona-bedingten Lockdown?
Ich möchte noch keine genauen Zahlen nennen, da es noch nicht möglich das gesamte Ausmaß der Corona-bedingten Auswirkungen abschätzen zu können. Der Fußball befindet sich in einer Krise. Und zwar sicher in der größten Krise seit dem 2. Weltkrieg.
Wie wirkt sich die Krise auf die Zukunft des Fußballs aus?
Das wird man sehen. Aber ein Wirtschafts-Einbruch wird kommen, die Budgets für die kommende Saison werden meiner Meinung nach sinken. Die Vereine werden wieder viel mehr auf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs setzen. Und das kann uns durchaus in die Karten spielen, denn wir wissen, was wir an unserer Akademie haben: Sie ist das Herzstück unseres Vereins. Wir werden versuchen die Arbeit mit dem Nachwuchs noch mehr zu forcieren und zu professionalisieren.
Im Nachwuchs darf zwar wieder trainiert, aber noch nicht wettkampfmäßig gegeneinander gespielt werden. Kann man abschätzen, was diese Zwangspause für ihre Entwicklung bedeutet?
Seit 15. Mai dürfen wir wieder ein Mannschaftstraining durchführen – unter Wahrung der Abstände und Einhaltung der Hygienevorschriften. Wir haben Konzepte erarbeitet, um die Jungs wieder auf dem Platz zu sehen. Sie spielen ja alle gerne Fußball, viele unserer Jungs haben das Ziel, Profifußballer zu werden. Aber natürlich fehlt in die verlorene Zeit in der Entwicklung. Natürlich möchte jeder ein normales Training, aber das ist im Moment einfach nicht möglich. Ich muss aber allen Mitarbeitern im Verein ein Riesenlob aussprechen, die hervorragende Arbeit leisten und mit ihren Spielern unsere Konzepte bestmöglich umsetzen.
Wie wichtig ist gerade jetzt die Zusammenarbeit mit den Sponsoren? Und wie leicht oder schwierig waren da aktuell die Gespräche?
Leicht war es auf keinen Fall, aber wir spüren einen großen Zusammenhalt und eine große Unterstützung von unseren Sponsoren, deren Loyalität unseren aufrichtigen Dank verdient .Am Anfang war es natürlich noch schwieriger, weil wir nicht sagen konnten, wann und wie es weitergeht – oder ob es überhaupt weitergeht. Deshalb war der Neustart ein sehr wichtiges Zeichen.
Gibt es Lehren aus der Coronakrise für die Zukunft des Vereins und den Sport ganz allgemein?
Wir standen 2016 vor schwierigen Herausforderungen, aber wir haben es geschafft, den Verein auf eine solide finanzielle Basis zu stellen – vor allem durch die Unterstützung von Flyeralarm. Wir mussten Altlasten in Millionenhöhe abbauen und können nur mit den Mitteln arbeiten, die wir haben. Wir setzen unser Budget sehr effizient ein. Aber es war schwer, in dieser Zeit Rücklagen zu bilden. Niemand konnte die aktuelle Entwicklung voraussehen und die Krise ist auch noch lange nicht vorbei. Deshalb müssen wir jetzt ganz genaue Überlegungen anstellen, wie wir für die Zukunft planen. Der Fußball war zuletzt schon ein komplett überhitztes Feld, da waren Summen im Spiel, die jeglicher Realität widersprochen haben. Ich denke, dass sich das allen in nächster Zeit normalisieren wird.
Sportlich steht die Admira momentan vor der großen Herausforderung, den Klassenerhalt zu schaffen. Aber wie schwierig war es in Zeiten des Coronakrise, sich tatsächlich auf den Sport zu konzentrieren?
Das war natürlich eine riesige Herausforderung, dass wir von einem Tag auf den anderen die Sportstätten nicht mehr betreten durften. Wir haben endlos Telefonate geführt, der Mailserver ist übergegangen. Aber als es dann die ersten Lockerungen gegeben hat und die Profis am Anfang zumindest wieder in Kleingruppen trainieren durften, hat man gemerkt, wie sehr den Menschen der Sport gefehlt hat. Es waren alle – verzeih den Ausdruck – richtig geil drauf, endlich wieder hinaus auf den Fußballplatz zu dürfen. Da hat es keine Motivation von Seiten des Vereins gebraucht, es haben alle gesehen, wie sehr wir uns wieder aufs Fußballspielen freuen.

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