Auswirkungen auf den Kultursommer im Bezirk Mödling

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Joesi Prokopetz im Interview: “Ein großartiges Programm für Maria Enzersdorf – VERSCHOBEN!”
Künstler zählen zu jenen Berufsgruppen, die von der Corona-Krise am härtesten getroffen wurden. Auch die Veranstaltungsreihe “Humor im Schloss” in Maria Enzersdorf fiel dem Virus zum Opfer. Wie es mit den beliebten Sommerspielen im Schloss Hunyadi dennoch weitergeht, erzählt Intendant Joesi Prokopetz im Exklusiv-Interview mit bezirkmoedling.at
Am 18. Juni hätten die Sommerspiele mit einem Auftritt von Heinz Marecek eröffnet werden sollen, mittlerweile mussten alle Auftritte ins kommende Jahr verlegt werden. Was bedeutet diese Verschiebung für dich und die ganze Region?
Vorweg: Selbstverständlich hat die Gesundheit der Menschen Priorität, das ist uns allen klar. Wie weit all die verordneten Maßnahmen gerechtfertigt oder vielleicht überzogen sind, entzieht sich mir als Vollblutlaien meiner Kenntnis. Viele Leuten glauben, dass ihnen mit den Auflagen ihre Grundrechte entzogen werden – das ist doch Unsinn! Ich durfte ein paar Wochen nicht zum Heurigen und ich kann nicht ins Kino und ins Theater gehen. Das ist der Seuche und vor allem deren Eindämmung geschuldet. Aber ich vermute dahinter keine Willkür der Behörden.
Aber die COVID-19-Pandemie trifft die Kunst- und Kulturszene dennoch besonders hart.
Die Zwangspause hat für uns alle natürlich einen großen wirtschaftlichen Aspekt. Aber wir hatten auch wieder ein großartiges Programm fixiert. Nach Heinz Marecek hätten wir unter anderem Gery Seidl und Erika Pluhar nach Maria Enzersdorf geholt. Maria Enzersdorf ist eine wunderbare Marktgemeinde, aber wir hätten ein Programm geboten, das sogar ohne weiteres in eine große Stadt passt! Wir haben alles vorbereitet, haben die Ton- und Lichtanlage noch einmal verbessert – und dann haut dir der Virus alles über den Haufen. Natürlich sind wir alle sehr enttäuscht. Aber zum Glück ist es uns gelungen, alle Künstler gleich wieder für kommendes Jahr zu verpflichten.
Wie bitter ist es für einen so aktiven und kreativen Menschen wie dich, wenn man so machtlos zusehen muss, wie plötzlich alle Pläne über den Haufen geworfen werden?
Die Situation ist natürlich in keiner Weise erfreulich. Aber: Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist. Das ist vielleicht ein nicht besonders niveauvolles Fügen in sein Schicksal. Aber es ist so. Jede Anstrengen, seinen Zorn zu artikulieren, ist vergebens. Kein Mensch kann etwas für die jetzige Situation – außer vielleicht der erste Überträger des Virus, der sich damals nicht richtig in die Armbeuge geschnäuzt hat.
Wie gehst du persönlich mit der schwierigen Situation um?
Ich habe Glück. Ich bekomme seit knapp drei Jahren eine kleine Pension und komme über die Runden. Aber für die jüngeren Kollegen ist es schwer. Die kriegen nix! Dass es hier keinen Plan gibt, diese Leute zu entschädigen, enttäuscht mich sehr. Kunst existiert ja nur durch Künstler! Wir können nicht wie Fußballer “Geisterspiele” veranstalten, es gibt kein “Geisterkabarett”.
Du wärst im Juni selbst im Schloss Hunyadi aufgetreten. Wie sehr fehlt dir die Bühne, das Rampenlicht?
Jeden Künstler drängt es auf die Bühne. Mir geht das Spielen wirklich ab, dabei bin ich schon so ein alter Esel. Mir wurde auch die gesamte “Watzmann”-Tournee (Anm.: mit Wolfgang Ambros, Klaus Eberhartinger und Christoph Fälbl) in Österreich und Deutschland im Herbst abgesagt, da sprechen wir von knapp 30 Vorstellungen. Bis zum Shutdown, der für uns zum Shut-up wurde, hatten wir schon 40 Prozent der Tickets verkauft. Das wäre eine ausverkaufte Tournee gewesen! Diese Auftritte sind jetzt, wie man so sagt, “optioniert” und könnten im Herbst 2021 nachgeholt werden. Damit sind diese Termine bei mir blockiert und das wiederum bedeutet, dass ich nicht weiß, wann ich die Premiere meines neuen Stückes planen kann. Aber so läuft das halt und es wird anderen Kollegen auch nicht anders gehen.
Wie nutzt du jetzt zu Hause in Brunn am Gebirge deine freie Zeit?
Sehr aktiv. Ich arbeite gerade parallel an zwei neuen Büchern. Das eine ist ein satirisches Buch und das andere ist ein Roman. Dabei ist aber alles so wie sonst auch, denn ich schreibe sonst ja auch zu Hause – nur, dass jetzt eine zeitlang meine Frau auch im Home Office gearbeitet hat. Aber wir haben das sehr schön gemeistert.


Lies mehr über Joesi Prokopetz im Interview Persönlichkeiten – Aus der Region!

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Worum wird es in den Büchern gehen?
Das satirische Buch beschäftigt sich mit einem Thema, das so naheliegend ist, dass es mich wundert, dass es in der Literatur noch niemand aufgegriffen hat. Deshalb will ich auch niemanden auf die Idee bringen, mir das Thema jetzt noch wegzunehmen, aber den Arbeitstitel kann ich verraten: “Küss die Hand, schöne Frau”. Und mein erster Roman überhaupt wird “Demiurg” heißen. Die Idee dahinter ist recht volksnah: Der Teufel übernimmt in einem kleinen Ort in Oberösterreich, natürlich von allen unerkannt, die Stelle des Pfarrers. Daraus ergeben sich natürlich verschiedene Geschichten, eine davon führt uns nach Prag. Ich habe sehr viel über Prag recherchiert, aber ob es alles stimmt, weiß ich nicht. Aber ich weiß: Wenn das Leben wieder halbwegs zur Normalität zurückkehrt, wird mich eine meiner ersten Reisen nach Prag führen.
 
Joesi Prokopetz, 68, gilt als Mitbegründer des Austropop. Für Wolfgang Ambros schrieb er Klassiker wie “Da Hofa”, “Es lebe der Zentralfriedhof” und “Die Blume aus dem Gemeindebau”, später feierte er mit DÖF (“Taxi”, “Codo – ich düse im Sauseschritt”) und als Solo-Künstler (“Sind Sie Single”) große Erfolge. Der gebürtige Wiener lebt seit knapp 20 Jahren in Brunn am Gebirge. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt 2019 “Alltag ist nicht ein Tag im All: Bekenntnisse eines Querulanten”, seine aktuellen Kabarettprogramme heißen “Gürteltiere brauchen keine Hosenträger”, “Giraffen können nicht husten” und “Pferde können nicht reiten”.
Mehr über Joesi Prokopetz findest du
hier.
 

© Fotocredit: Gary Milano

 
 

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