125 Jahre Bezirk Mödling: „Die Lebensqualität der Bevölkerung ist uns wichtig“

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Der Bezirk Mödling feiert in diesem Jahr seinen 125. Geburtstag. Bezirkshauptmann Dr. Philipp Enzinger blickt mit uns auf eine bewegte Geschichte zurück, verrät uns, was den Bezirk so lebenswert macht und was die großen Zukunftsthemen für Politik und Gesellschaft sind.
 
Was macht den Bezirk Mödling aus Ihrer Sicht so besonders?
Dr. Enzinger: Mödling ist ein pulsierender Lebensraum. Das Besondere ist die Mischung einer lebendigen Wirtschaft und damit vieler Arbeitsplätze mit einem hohen Kulturangebot, ausgeprägten Einkaufsmöglichkeiten und guter infrastruktureller Anbindung – sowohl nach Wien als auch zum Rest Niederösterreichs. Außerdem verbindet Mödling urbanes Flair mit unmittelbarer Nähe zur Natur. Mödling ist aber auch aus einem anderen Grund so spannend.

Und zwar?
Mödling ist räumlich – mit großem Abstand – der kleinste Bezirk Niederösterreichs (Anm: rund 277 Quadratkilometer. Der zweitkleinste Bezirk ist Korneuburg mit 662 Quadratkilometer, der größte ist Zwettl mit 1.400 Quadratkilometer). Er gehört aber mit 119.000 Einwohner zu den vier bevölkerungsstärksten Bezirken Niederösterreichs. Die Menschen drängen sich auf einem Drittel der Bezirksfläche zusammen; zwei Drittel sind land- und forstwirtschaftlich genutzt. Das zeigt einerseits, wie stark die Verdichtung ist, andererseits, wie rasch man in den Naherholungsgebieten, etwa dem Wienerwald, sein kann. Diese komprimierte Verzahnung macht das Leben sehr dynamisch, aber gleichzeitig sehr lebenswert.

Stammen Sie selbst eigentlich aus dem Bezirk Mödling?
Ich arbeite hier seit mehr als zehn Jahren als Bezirkshauptmann, ich bin dem Bezirk sehr verbunden und lebe auch hier. Ich bin aber, wie so viele Menschen, zugezogen. Ich bin gebürtiger Wiener und habe zwischendurch schon einmal im Bezirk Mödling und danach in Wr. Neustadt gelebt. Mittlerweile bin ich nach Brunn am Gebirge übersiedelt und konzentriere mich ganz auf den Bezirk Mödling.
 
Der Bezirk Mödling feiert 2021 seinen 125. Geburtstag – lassen Sie uns einen Blick auf die Anfangstage werfen. Wissen Sie, wie die Geschichte begonnen hat?
Die Bezirkshauptmannschaften selbst sind schon über 150 Jahre alt, sie sind 1868 gegründet worden. Mödling hat damals noch gemeinsam mit Baden einen Bezirk gebildet. 1895 hat Kaiser Franz Joseph mit Entschließung den Bezirk Mödling ins Leben gerufen. Die Grenzen sind mit einer Verordnung des k.u.k. Innenministeriums ein Jahr später, also 1896 und damit vor 125 Jahren, festgelegt worden. Dann erst wurde das Amtshaus gebaut, jenes Gebäude in der Klostergasse, in dem heute die Polizei untergebracht ist. So richtig den Vollbetrieb aufgenommen haben wir erst am 1.1.1897. Es ist also eine dreijährige Entwicklung, in der der Bezirk entstanden ist.
 
Dann lassen Sie uns doch drei Jahre lang feiern!
Genau, das machen wir! Der Bezirk war damals übrigens wesentlich größer als er es heute ist. Vor allem im Süden, bis 1904 hat er unter anderem Pottendorf, Ebenfurth, Sollenau, Oberwaltersdorf und Reisenberg umfasst. Interessant ist auch: Alle Bezirkshauptmannschaften wurden 1938 mit der Machtübernahme Deutschlands in Österreich aufgelöst, der Bezirk Mödling war sogar noch bis 1954 Teil des ehemaligen Gaues Groß-Wien und damit Teil der Bundeshauptstadt. Mödling war der 24. Bezirk Wiens und ist erst 1954 zu Niederösterreich zurückgekehrt und wieder selbständig geworden.

Und seither auch als Wirtschaftsstandort sehr attraktiv. Sie haben vorhin bereits die vielen Arbeitsplätze angesprochen…
Ja, wir haben sogar rund 50.000 Berufstagespendler. Die prosperierende wirtschaftliche Kraft des Bezirks zeigt sich auch in unserem extrem hohen Steueraufkommen. Wir haben ein gemeinsames Finanzamt mit dem Bezirk Baden – und erzielen ein höheres Steueraufkommen als das gesamte Bundesland Burgenland.
 
Liegt das an der Shopping City Süd in Vösendorf, die ja eines der größten Einkaufszentren Europas ist?
Nicht nur. Aber natürlich ist die SCS ein Flaggschiff mit großer Wirtschaftskraft. Wir haben aber etwa auch das Industriezentrum Süd, das rund 11.000 Arbeitsplätze umfasst und sogar – wie eine kleine Stadt – sein eigenes Straßennetz betreibt. Und, nicht zu vergessen: Der ganze Raum von Vösendorf bis Wiener Neudorf ist stark von Handel und Gewerbe geprägt.
 
Sie sind als Bezirkshauptmann eine unabhängige, objektive Verwaltungsinstanz. Wie gestaltet sich aus Ihrer Sicht die Zusammenarbeit mit den 20 Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern des Bezirks?
Wir stehen in engem Kontakt mit den Entscheidungsträgern in den Gemeinden, wir rufen uns bei Bedarf gleich direkt an oder nutzen alle Formen der modernen Kommunikation. Um Detail- und Fachfragen kümmern sich unsere Mitarbeiter direkt miteinander. Ich lade aber auch regelmäßig zur Bürgermeister-Konferenz, bei der bestimmte kommunale Themen abgearbeitet und in Diskussionen gemeinsame Meinungen gebildet werden. Momentan können diese Konferenzen allerdings nur virtuell, dafür aber wöchentlich stattfinden.

Was erhoffen und erwarten sich die Menschen im Bezirk Mödling von der Politik und von der Verwaltung?
Öffentliche Ordnung und öffentliche Sicherheit sind ganz entscheidend für das Gefühl der Menschen im täglichen Leben. Sie erwarten von uns aber auch Bürgerservice: Sie wollen bei ihren Anliegen bestmöglich und unkompliziert unterstützt werden. Und letztlich ist natürlich der Umweltschutz ein wichtiges Thema. Die Menschen erwarten, dass wir ihren Lebensraum erhalten und ihre Heimat weiterhin lebenswert halten.
 
Vor welchen Herausforderungen stehen die Politik und die Gesellschaft in den kommenden Jahren?
Ich glaube, dass der Wohlstand – und das bedeutet nicht zuletzt: die Arbeitsplätze – von ganz besonderem Interesse für die Menschen ist und damit die ganz große Herausforderung für die Politik darstellt. Gleichzeitig müssen wir auf den Klimawandel reagieren. Wirtschaftliche Entwicklung und Klimawandel und damit Umweltschutz und Energiewende sind sicher die größten Herausforderungen für Politik und Gesellschaft in den kommenden Jahren.
 
Was wünschen Sie sich für die kommenden 125 Jahre des Bezirks?

Ich wünsche mir eine friedliche und nachhaltige gesellschaftliche Weiterentwicklung des Lebensraums. Die Erhaltung der Lebensqualität und im Optimalfall sogar eine Verbesserung dieser Lebensqualität ist wahrscheinlich das Allerwichtigste für die Menschen im Bezirk
Mödling.

Zur Person:
Dr. Philipp Enzinger, 55, wurde im Dezember 2010 zum Bezirkshauptmann von Mödling bestellt. Davor war der Jurist bereits Bezirkshauptmann-Stellvertreter in Wien-Umgebung, Lilienfeld und Bruck an der Leitha, von 2007 bis 2010 war es Bezirkshauptmann von Wiener Neustadt. Der zweifache Familienvater ist gebürtiger Wiener und lebt in Brunn am Gebirge.

Linktipps:

Lies hier alle Beiträge und Interviews zum Thema 125 Jahre Bezirk Mödling

Lies auch: Jobs im Bezirk Mödling – “Was macht eigentlich ein Bezirkshauptmann?”

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